Das Füttern ist eines der wirkungsvollsten, aber auch am häufigsten missbrauchten Werkzeuge in der Imkerei. Gut bemessenes Füttern bewahrt ein Volk vor dem Verhungern und treibt seine Entwicklung an; falsches Füttern verunreinigt den Honig, löst Räuberei aus und schwächt die Bienen. Der Schlüssel liegt darin, zu verstehen, warum und wann man füttert, statt „sicherheitshalber“ zu füttern.
Wann Füttern wirklich nötig ist
Drei typische Situationen:
- Hungersnot — wenn das Volk nicht genug Vorräte hat (zeitiges Frühjahr, regnerische Sommer, nach der Ernte)
- Entwicklung anregen — Reizfütterung im zeitigen Frühjahr, damit die Königin früher mit der Brut beginnt, vor der Haupttracht
- Wintervorbereitung — im Herbst die Wintervorräte auf das erforderliche Gewicht auffüllen
Sirup: Verhältnisse und Zweck
Sirup machst du aus Zucker und Wasser, und das Verhältnis hängt vom Ziel ab:
- Reizsirup 1:1 (gleich viel Zucker und Wasser) — dünn, er ahmt eine Tracht nach und regt die Königin zum Legen an; im zeitigen Frühjahr in kleinen, häufigen Gaben verabreicht
- Wintersirup 2:1 (doppelt so viel Zucker wie Wasser) — dick, die Bienen verarbeiten und lagern ihn leicht als Wintervorräte ein; im Herbst in größeren Mengen verabreicht
Gib Sirup immer am Abend und in einem geschlossenen Futtertrog, damit du keine Räuberei zwischen den Völkern auslöst.
Futterteig (Zuckerteig)
Futterteig ist eine feste Mischung (meist Puderzucker mit Honig oder Invertsirup). Er wird im Winter und zeitigen Frühjahr verwendet, wenn es für flüssigen Sirup zu kalt ist — die Bienen nehmen ihn langsam auf, und er regt die Brut nicht so stark an wie Sirup. Lege ihn direkt über die Brut, nahe an die in der Traube sitzenden Bienen.
Große Fehler beim Füttern
- Füttern während einer Tracht oder vor der Ernte — Zuckersirup landet im Honig und mindert seine Qualität
- Sirup im Freien oder tagsüber geben — das löst Räuberei und Kämpfe zwischen den Völkern aus
- Schwache Völker füttern, ohne die Ursache zu lösen (Weisellosigkeit, Krankheit) — du verschiebst das Problem nur
- Füttere Bienen niemals Honig unbekannter Herkunft — er kann Brutkrankheiten verbreiten
Die Regel vom sauberen Honig
Zuckerfütterung und echter Honig dürfen sich nicht vermischen. Füttere kein Volk, von dem du bald ernten wirst. In der App protokollierst du jede Fütterung (Art, Menge und Datum) je Beute — so trennst du über die Saison klar die Vorräte vom Verkaufshonig und weißt genau, wie viel jedes Volk erhalten hat.