Wenn es einen Grund gibt, weshalb ein moderner Imker es sich nicht leisten kann, sich zurückzulehnen, dann ist es die Varroa. Die Milbe Varroa destructor ernährt sich vom Fettkörper der Biene und verbreitet Viren, die Flügel verkrüppeln und Brut töten. Ein Volk, das im August stark aussieht, kann bis November zusammenbrechen, wenn die Varroa nicht in Schach gehalten wird. Die gute Nachricht: Die Varroa ist beherrschbar — aber nur, wenn du sie überwachst und rechtzeitig handelst.
Warum sie so gefährlich ist
Die Varroa vermehrt sich in der verdeckelten Brut, genau dort, wo du sie nicht sehen kannst. Je mehr Brut ein Volk hat, desto schneller vermehrt sich die Milbe. Das Problem ist nicht nur die Milbe selbst, sondern die Viren, die sie verbreitet — weshalb selbst eine kleine Zahl von Milben großen Schaden anrichten kann, wenn Viren vorhanden sind.
Wie man den Befall misst
Der größte Fehler ist, „blind“ zu behandeln oder „wenn der Nachbar es tut“. Miss zuerst, wie viele Milben du hast:
- Alkoholwäsche — nimm etwa 300 Bienen (ein halber Deziliter) von einer Brutwabe, schüttle sie in Alkohol und zähle die herausfallenden Milben; die genaueste Methode
- Puderzucker — dieselbe Idee, aber die Bienen überleben; weniger genau, aber schonender
- Ein Gitterboden — zähle die Milben, die im Lauf von 24–72 Stunden natürlich abfallen
Das Ziel ist, die Zahl der Milben pro 100 Bienen zu ermitteln, denn nur die Zahl sagt dir, ob und wann du behandeln musst.
Wann es zu viel ist
Eine grobe Regel: Während der Saison sind mehr als etwa 3 Milben pro 100 Bienen (3%) das Alarmsignal und ein Aufruf zum Handeln. Vor dem Winter ist die Schwelle niedriger, denn die Winterbienen müssen gesund sein, damit das Volk überlebt. Miss mehrmals pro Saison, nicht nur einmal.
Behandlungen und wann man sie einsetzt
- Oxalsäure — am wirksamsten, wenn keine Brut vorhanden ist (Winter, bei kühlen 5–12 °C), denn dann ist keine Milbe in der Brut verborgen
- Ameisensäure — dringt auch in die verdeckelte Brut ein, wirkt also auch bei vorhandener Brut (am besten bei 15–25 °C)
- Thymol und andere organische Säuren — nach den Anweisungen des Herstellers, meist im Spätsommer
Die wichtigste Behandlung des Jahres ist die direkt nach der Ernte, im Spätsommer — dann rettest du die Winterbienen. Eine zusätzliche Oxalsäurebehandlung im Winter „räumt auf“, was übrig bleibt.
Die Ernteregel (Wartezeit)
Nach der Behandlung mit einem Mittel halte die vorgeschriebene Wartezeit ein — die Zeit, in der du nicht ernten darfst — damit der Honig sauber und sicher bleibt. In der App protokollierst du die Behandlung, und sie berechnet und zeigt dir für dieses Datum eine Warnung „nicht ernten bis“, sodass du Mittel und Honig nie vermischst.